Projekte > Mahndepots in Dresden
 
  Zurück zur Übersicht "Projekte"
 
  Das Kunstprojekt "Gravuren des Krieges - Mahndepots in Dresden" kennzeichnet Orte, die beispielhaft an die Geschichte Dresdens im Zweiten Weltkrieg erinnern. Jährlich wird in zeitlicher Nähe zum 13. Februar ein weiterer Ort durch in den Boden eingelassene Edelstahlhülsen markiert. In den Hülsen eingeschlossen befinden sich kurze Texte zur jeweiligen Biografie des Ortes und aktuelle Fotografien. Mit jeder weiteren Markierung verdichtet sich das Netz der Erinnerung, je weiter man sich historisch vom 13. Februar 1945 entfernt.

Der Hinweis zur Markierung von ORT 59, Staatliche Frauenklinik Dresden, Pfotenhauer Straße 90, geht auf die Initiative des Frauenstadtarchivs Dresden zurück. Der Text zur Biografie des Ortes lautet wie folgt:
 
  Ort 59: Pfotenhauer Straße 90

Wie für alle anderen medizinischen Einrichtungen galt für die renommierte Staatliche Frauenklinik die Anordnung, nicht "reichsdeutsche" Patienten strikt getrennt vom normalen Betrieb zu behandeln und unterzubringen. Im angrenzenden städtischen Gerhard-Wagner-Krankenhaus waren dazu mehrere Baracken errichtet worden. Die fachlich hochgeschätzte Leitung der Frauenklinik widersetzte sich dem und brachte Fremd- und Zwangsarbeiterinnen zusammen mit deutschen Frauen unter.
Die im Winter 1944/45 immer spürbarere Luftkriegsgefahr bedrohte alle Patientinnen gleichermaßen. Für bauliche Schutzmaßnahmen oder für eine umfassende Evakuierung der Patienten fehlten jedoch auch in der Frauenklinik die notwendigen Ressourcen, so dass sich die Vorkehrungen weitgehend auf organisatorische Regelungen beschränkten.
Nachdem am späten Abend des 13. Februar 1945 Fliegeralarm ausgelöst wurde, transportierte das Personal der Frauenklinik Patientinnen und neugeborene Kinder in provisorisch vorbereitete Kellerräume. Die Gebäude der Frauenklinik wurden bereits während des ersten nächtlichen Angriffes schwer getroffen. Während mehr als 70 Neugeborene geborgen und per LKW abtransportiert werden konnten, starben viele Frauen in verschütteten Kellerräumen.
Frau J. berichtet: "Unter ihnen befand sich eine Frau aus meinem Haus, die Zwillinge erwartete. Die Namen Regine und Gesine sind mir noch in Erinnerung. Der Vater wollte eigentlich an einem Mittwoch, das war die nächste Besuchszeit, kommen und seine Familie in die Arme nehmen. Dazu ist es leider nicht mehr gekommen. Unter den Toten waren auch die junge Frau und ihre Zwillinge."
Auch im Gerhard-Wagner-Krankenhaus hatten die Luftangriffe schwere Schäden zur Folge. Die Kinderklinik und mehrere weitere Gebäude, darunter auch die Krankenhauskirche, wurden durch Sprengbomben getroffen oder brannten aus.

(Weitere Informationen zum Projekt Mahndepots: www.dresden-1945.de/gravuren/index.htm)
 
  Mit den Kindern der Johannstädter Frauenklinik, die die Luftangriffe überlebten, steht das Frauenstadtarchiv Dresden in engem Kontakt. An der Spitze der Schicksalsgemeinschaft stehen Petra Roschinski, geb. Nagel, und Marikka Barth, geb. Aßmann. Beide Frauen machten sich auf die Suche nach weiteren Überlebenden, um die Vorgänge und Schicksale zu dokumentieren. Die Erlebnisschilderungen fanden Eingang in den Bestand des Zeitzeugenarchivs Dresden.

Am 12. Februar 2007 fand das Treffen der überlebenden Kinder der Staatlichen Frauenklinik Dresden im Stadtarchiv Dresden seinen Abschluss (siehe Veranstaltungen). Unter Ausschluss der Öffentlichkeit berichteten sich die Schicksalsgefährten von ihrem eigenen Erleben, verfolgten mit Anteil die oftmals schmerzhaften Schilderungen der Anderen. Im Anschluss trug Frau Dr. Marina Lienert vom Universitätsklinikum Dresden die Geschichte der Staatlichen Frauenklinik Dresden und ihres Direktors, Prof. Dr. Kurt Warnekros, vor. Kurt Warnekros war ein international renommierter Frauenarzt und Geburtshelfer. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten ging er Kompromisse ein, bewies aber Zivilcourage. Er überlebte die Bombardierung Dresdens am 13./14. Februar 1945. Unter seiner Leitung wurden die überlebenden Mütter nach den Luftangriffen mit ihren Kindern nach Kreischa in die Klinik gebracht und versorgt.
(weitere Informationen: www.ueberlebendekinderdresden.de)
 
  Zurück zur Übersicht "Projekte"