Veranstaltungsreihe
 
  "Streitbar und umstritten - Die Künstlerin Lea Grundig
(1906 - 1977)"


Veranstaltung in Kooperation mit: Goethe-Institut Dresden
 
  Datum / Uhrzeit: Montag, 21. Februar 2011, 18.00 Uhr
Ort: Goethe-Institut Dresden, Königsbrücker Straße 84, 01099 Dresden
Vortrag: Dr. Stephan Weber
 
  Bis heute polarisiert Lea Grundig. Menschen, die sie kannten, beschreiben sie als warmherzig oder auch als unerbittlich. Ideologische Unduldsamkeit auf der einen und Weltläufigkeit auf der anderen Seite bestimmten den Charakter der nach dem Zweiten Weltkrieg aus Palästina in ihre Heimatstadt Dresden zurückgekehrten Künstlerin. Als kommunistische Grafikerin war sie politisch engagiert, warnte vor dem Nationalsozialismus, klagte als Emigrantin in Palästina den Holocaust an und verteidigte später die DDR und die Politik der SED auf eine heute kaum noch nachvollziehbare Weise.

In dem von Lichtbildern begleiteten Vortrag werden die Widersprüche der aus einem jüdisch-bürgerlichen Elternhaus stammenden Grafikerin Lea Grundig hervorgehoben; Widersprüche, die sich immer auch in ihrem künstlerischen Werk widerspiegeln. Das häufig bemühte Erklärungsmuster eines gescheiterten Übergangs von der Anklage zur Affirmation greift dabei zu kurz. Lea Grundig war und blieb immer auch unbequem. Als sie 1924 ihr Studium an der Dresdner Kunsthochschule aufnahm, war die Ausbildung von Frauen an deutschen Kunstakademien noch etwas relativ Neues; erst wenige Jahre zuvor hatten Künstlerinnen in Dresden die Öffnung der hiesigen Akademie auch für Studentinnen erstritten. Keineswegs selbstverständlich war auch, dass Lea Grundig als Ehefrau, an der Seite des Malers Hans Grundig, ihre eigenen künstlerischen Ambitionen nicht hinter denen ihres Mannes zurückgestellt hat. 1949 erhielt sie als erste Frau in Deutschland einen Lehrstuhl an einer Kunstakademie. Der Widerstand gegen Lea Grundigs Berufung als Professorin an die Dresdner Kunsthochschule war allerdings groß. Selbstbewusst verteidigte sie Anfang der 1950er Jahre ihre im Zuge des Formalismusstreits in Ungnade gefallenen künstlerischen Vorbilder aus der Vorkriegszeit. Andererseits verurteilte sie liberale Tendenzen innerhalb der Kunst der DDR und polemisierte nachdrücklich gegen die "dekadente" Kunstavantgarde des Westens.

So eindimensional das Bild der in der DDR propagierten antifaschistischen Vorzeigekü ünstlerin Lea Grundig war, so vielschichtig und widersprüchlich war ihre Persönlichkeit.
 
  Feature zur Veranstaltung (pdf-Dokument, 83 KB)

 
 
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