HERRschaft: Macht: Körper. Feministische Perspektiven

HERRschaft: Macht: Körper. Feministische Perspektiven

Restriktive Normierungen des Weiblichen*, ob den Körper, das „Wesen“ oder rechtliche Möglichkeiten betreffend, haben eine jahrhundertealte Tradition. Beispiele für Ausschlüsse, Verfolgungen und Einschränkungen von Frauen* füllen nicht nur regalweise Bücher, sie begegnen uns auch in der Gegenwart. Weiblich* gelesene Menschen wachsen nicht nur innerhalb einer Omnipräsenz gesellschaftlich normierter Körpervorstellungen auf, die ihnen suggerieren, wie sie zu sein und was sie mit ihrem Körper zu tun haben. Der Zugriff auf Frauen* erstreckt sich bis in ihr soziales Nahfeld, wo es statistisch wahrscheinlich ist, körperliche/sexuelle Gewalt zu erleben oder ermordet zu werden (64%/82% weibliche* Mordopfer im familiären/partnerschaftlichen Kontext, Quelle: UN-Bericht Femizide 2018). Im Erwerbsleben bestimmt die Vorstellung von Geschlecht über finanzielle Möglichkeiten (Frauen* verdienen in der BRD im Schnitt 21% weniger, Quelle: Statistisches Bundesamt) und ggf. über die gesamte Karriere (Frauen* sind u.a. seltener in Führungspositionen). Beruflich erfolgreiche, medial präsente, aus dem Rahmen des Schönheitskorsetts und gesellschaftlich gewünschter Wesenszüge fallende Frauen* hingegen sind nicht selten sexistischen Angriffen ausgesetzt. Somit ist die durch Religion, „Wissenschaft“ und Politik tradierte Verbindung von Weiblichkeit und patriarchaler HERRschaft wirkungsmächtig bis heute. Weibliche* Körper und Psychen sind nie nur Privatsache, sondern immer auch Gegenstand gesellschaftlicher Aushandlung. Von der Norm abweichende Frauen* wurden u.a. als Hexen verfolgt, für psychisch krank erklärt oder kriminalisiert. So ist für 2021 bspw. das 50jährige Jubiläum der „Sternkampagne“ zu erwähnen: 1971 bekannten sich 374 Frauen* in der BRD öffentlich dazu, eine Schwangerschaft abgebrochen und somit gegen den restriktiven §218 StGb verstoßen zu haben. Doch es gibt in der Geschichte auch positive Gegenbeispiele, in denen Frauen* sich die Deutungshoheit über ihre(n) Körper zurückeroberten. Dresden beispielsweise war mit Akteurinnen* wie der Künstlerin Prof. Margarete Junge, den Deutschen Werkstätten Hellerau und dem Verein für Verbesserung der Frauenkleidung ein Zentrum der Reformbewegung und somit auch der Reformmodebewegung, die Ende des 19. Jh. das Ziel hatte, frau aus dem tatsächlichen Korsett zu befreien. Anlässlich der erwähnten Traditionslinien im Spannungsfeld Weiblichkeit* – HERRschaft und dieser Jubiläen möchte das FSA mit seinem Projekt zunächst 2021 verschiedene Formen des unterdrückenden selbst- und fremdermächtigten Zugriffs auf weibliche* Körper und die Auswirkung patriarchaler Strukturen auf Körperlichkeit und Identität in den Blick nehmen. Diese Themen werden aus historisch-soziologischer Perspektive, u.a. mit Blick auf Hexenverfolgung, Körpernormierung und Reproduktion beleuchtet.2022 wird das Augenmerk auf die Möglichkeiten der Befreiung von diesen Repressionen am Beispiel der Reformmodebewegung und aktuellen Empowerment-Bestrebungen untersucht.

Zu unseren besonderen Forschungsschwerpunkten findet ihr hier mehr:

Die Diffamierung als Hexe und ihr Kontext